Geschichte

Bauhistorie
Baukonstruktion
Frühere Nutzungen
Derzeitige Nutzungen

Die Kongresshalle entstand und steht als architektonischer Ausdruck des nationalsozialistischen Herrschaftsanspruch. Der Architekturstil ist an antiken Vorbildern wie dem Kolosseum in Rom orientiert, nach ihrer Fertigstellung wäre die Kongresshalle allerdings um das Eineinhalbfache größer gewesen als der antike Bau.

Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, Foto: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, Foto: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Baustelle der Kongresshalle, 1938, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V
Baustelle der Kongresshalle, 1938, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V

Bauhistorie

Im März 1934 beauftragte der nationalsozialistischer Oberbürgermeister Nürnbergs, Willy Liebel, den Nürnberger Architekten Ludwig Ruff mit Entwürfen für den gedachten Versammlungsbau, die Hitlers Zustimmung fanden. Ludwig Ruff starb kurz darauf, sein Sohn Franz, ebenfalls Architekt, übernahm den Auftrag.

Entstehen sollte eine riesige geschlossene Halle mit sakraler Atmosphäre und einem zentral platzierten Rednerpult vor den im Halbrund angeordneten Zuschauerreihen für bis zu 50.000 Zuhörer. Die Kongresshalle wäre nur einen Tag im Hagr für den Parteikongress der NSDAP genutzt worden.

Die Grundsteinlegung für die Kongresshalle erfolgte im Rahmen des Reichsparteitags 1935 durch Adolf Hitler. Vor rund 6.000 Zuschauern bezeichnete er das Vorhaben dabei als den ersten Riesen unter den Bauten des Dritten Reiches.

Baustelle der Kongresshalle, 1938, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V
Baustelle der Kongresshalle, 1938, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V

Für den Bau mussten zunächst an die 850 Bäume gefällt, der 1906 errichtete Leuchtturm gesprengt und der dort bis dato ansässige Tiergarten verlegt werden. Der Dutzendteich wurde verkleinert und zur Errichtung der Großen Straße in zwei Teile geteilt.

Im sumpfigen Untergrund wurden 22.000 Betonpfähle in den Boden eingebracht und ein rund 3 m dickes Betonfundament gelegt. Knapp 1.400 Bauarbeiter arbeiteten bis Kriegsbeginn 1939 auf der Baustelle.

Kongresshalle und Große Straße waren nur zwei der geplanten und größtenteils unvollendet gebliebenen monumentalen Anlagen des Reichsparteitagsgeländes.

Im Rundbau der Kongresshalle waren in der ursprünglichen Planung ausschließlich Nebennutzflächen, Technikflächen und zum weit überwiegenden Teil Verkehrsflächen (Wandelhallen, Vorhallen, Treppenräume etc.) zur Erschließung des – ungebauten – Saales vorgesehen. Bis auf wenige Bereiche befindet sich der Rundbau im Rohbauzustand. Der in den 1930er Jahren geplante Innenausbau wurde nicht realisiert. Der ursprünglich geplante Ausbau mit Natursteinwandverkleidungen und -böden sowie Deckenverkleidungen wurde mit Ausnahme einer natursteinverkleideten Musterfläche an der vom Innenhof sichtbaren Wand des nördlichen Kopfbaus nicht umgesetzt.

Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V
Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V
Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V
Foto eines Idealisierten Modell der Kongresshalle, 1937, © Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V

Frühere Nutzungen

Nach Kriegsende 1945 nutzte die US-Armee die Kongresshalle als Depot, bevor sie die Liegenschaft 1948 an die Stadt zurückgab. Mit der Bezeichnung „Ausstellungsrundbau“ fanden in der unfertigen Kongresshalle 1949 die erste Deutsche Bauausstellung und im Folgejahr die Jubiläumsausstellung „900 Jahre Nürnberg“ statt. Von beiden Ereignissen existieren im Innern noch wertvolle Zeitspuren wie Wandbemalungen oder Reliefs.

Für die Deutsche Bauausstellung, die vom 1. bis 18. September 1949 im Torso der Kongresshalle stattfand, wurde im 2. Obergeschoss das „Café Königshof“ eingerichtet. Sitzgelegenheiten befanden sich im Innern, aber auch auf der Kolonnadenebene außen.

Außenbestuhlung des „Café Königshof“ auf der Kolonnadenebene im 2. Obergeschoss, © Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Außenbestuhlung des „Café Königshof“ auf der Kolonnadenebene im 2. Obergeschoss, © Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Das 900-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Nennung Nürnbergs in der Sigena-Urkunde aus dem Jahr 1050 wurde gleichfalls in der Kongresshalle mit einer großen Ausstellung begangen. Zwischen dem 14. und 30. Juli 1950 wurde Nürnberg vor allem als große Handels- und
Kunstmetropole des Mittelalters dargestellt.

Lager der Firma Quelle, 2005, © Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Lager der Firma Quelle, 2005, © Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

In den folgenden Jahrzehnten dominierten zunächst pragmatische Nutzungen. Bereits 1963 zogen die Nürnberger Symphoniker in den südlichen Kopfbau ein. Ab 1970 mietete sich im Rundbau das Versandhaus Quelle auf den obersten drei Stockwerken ein und nutzte diese bis 2006 als Regionallager.

Der „Innenhof“ diente vornehmlich als Lagerfläche. Die Polizei stellte hier lange Jahre die abgeschleppten Autos aus dem Stadtgebiet ab. Noch heute wird der „Innenhof“ bei Messen oder Volksfesten als Parkplatz genutzt. Seit der Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände im Jahr 2001 ist er nicht mehr dauerhaft belegt.

Derzeitige Nutzungen

Heute steht der Rundbau des Torsos im 1. und 2. Obergeschoss aufgrund baulicher Mängel und von Brandschutzauflagen weitgehend leer. Er ist unbeheizt und befindet sich im Stadium eines Rohbaus.

Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen für den Rundbau stehen unabhängig von jeder eventuellen Nutzung an. Dabei wird kein wie auch immer geartetes „Fertigbauen“ der Kongresshalle angestrebt, sondern der Erhalt der denkmalgeschützten Substanz in ihrem Erscheinungsbild als Rohbau.

Das Sockel- und das Arkadengeschoss des Rundbaus sind aktuell von einer Vielzahl von Nutzerinnen und Nutzern belegt. Alle Mietverträge dieser Nutzungen wurden zum 30. Juni 2022 gekündigt.

Die Dachabdeckung der Kongresshalle ist teilweise an private Betreiber von Mobilfunkmasten und Photovoltaikanlagen vermietet

Luftbild Umgebung der Kongresshalle, 2017, © Hajo Dietz
Luftbild Umgebung der Kongresshalle, 2017, © Hajo Dietz

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Im nördlichen Kopfbau der Kongresshalle befindet sich seit 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit zuletzt mehr als 300.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich. Mit einer Dauerausstellung und Sonderausstellungen sowie Begleitveranstaltungen bietet das Dokumentationszentrum ein Gesamtkonzept als zentraler Ort zur Vermittlung der Phänomenologie des NS-Regimes.

Der Blick von hier auf den „Innenhof“ ist wichtiger Bestandteil der musealen Ausstellung über das ehemalige Reichsparteitagsgelände und seine Geschichte.

Bei der Konzeption des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände galt es, nicht nur eine in musealer Hinsicht funktionierende Einpassung des Dokumentationszentrums in den Nordflügel der Kongresshalle vorzunehmen, sondern zugleich auch eine überzeugende Auseinandersetzung mit der NS-Architektur und dem Geist zu führen, der sie hervorbrachte. Für den Grazer Architekturprofessor Günther Domenig (1934-2012) war die Kongresshalle in Nürnberg ein Erinnerungsmahnmal im wahrsten Sinne des Wortes. Ihm ging es bei seinem Entwurf für das neu zu errichtende Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in erster Linie um das Aufbrechen der historischen Axialität als Aufarbeitung der Geschichte. Die Architektur des Dokumentationszentrums wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet.

Luftbild Eingang des Dokumentationszentrums im nördlichen Kopfbau, 2017, © Hajo Dietz
Luftbild Eingang des Dokumentationszentrums im nördlichen Kopfbau, 2017, © Hajo Dietz